Erweiterung Salinarium Bad Dürkheim Therme

Kurbrunnenstraße 28, Bad Dürkheim, Germany
Eingangsbereich
Fotografia © Uwe Ditz

Das Salinarium liegt in unmittelbarer Nähe des Kurparks im Zentrum von Bad Dürkheim. Mit der Erweiterung des bestehenden Freizeitbads um einen Thermen- und Saunabereich haben 4a Architekten das Ensemble behutsam weiterentwickelt und zugleich architektonisch neu gefasst. Ziel der Planung war es, den Neubau sorgfältig in die vorhandenen Strukturen von Freizeit- und Freibad einzubinden und das Gesamtbild des Salinariums deutlich aufzuwerten – ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.

Organisation und architektonische Inszenierung
Den architektonischen Auftakt bildet ein neu gestalteter Eingangsbereich mit weit auskragendem Dach. Mit seiner offenen Geste empfängt er die Besucherinnen und Besucher und verleiht dem Salinarium ein zeitgemäßes, prägnantes Erscheinungsbild. Direkt an den Bestand angeschlossen sind der neue Umkleidebereich sowie ein langer Erschließungsgang zur Therme, der Einblicke in die Freizeitbadehalle ermöglicht. Denn während der Eingang zentral am Wurstmarktplatz liegt, also vor der Freizeitbadehalle, befindet sich der neue Thermenbereich hinter dem Bestandsgebäude. Um diesen Weg für die Besucher kurzweilig und interessant zu machen, wurde die Künstlerin Ricarda Mieth mit der Gestaltung beauftragt. Ihre Arbeit „Wellengang“ begleitet den Weg des Besuchers in die Therme und unterstützt den Übergang vom lebendigen Badebetrieb in den ruhigeren Thermenbereich.

Der Thermenbereich ist von geschwungenen Formen geprägt, die fließende Raumfolgen erzeugen und eine intuitive Orientierung ermöglichen. Der Neubau erstreckt sich über drei Ebenen: Während sich das Badeangebot im Erdgeschoss nach innen und außen öffnet, entfaltet sich die Saunalandschaft als vertikale Raumsequenz über alle Geschosse hinweg. Ergänzt wird das Raumprogramm durch gastronomische Angebote mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten – ein Restaurant im Erdgeschoss, eine Kaminlounge im ersten Obergeschoss sowie großzügige Liegebereiche im zweiten Obergeschoss mit Blick auf Park und Stadt. Alle Ebenen verfügen über direkte Außenbezüge, darunter ein Saunagarten, ein an die Thermalhalle angeschlossener Freibereich und eine Dachterrasse.

Materialität, Licht und Atmosphäre
Gestalterisch zeigt sich die Therme bewusst ruhiger und klassischer als das bestehende Freizeitbad. Ziel war es, eine zeitlose Atmosphäre mit hoher Dauerhaftigkeit zu schaffen. Warme Materialien wie Holzlamellen, Feinsteinzeug und keramische Beläge in gedeckten Farbtönen prägen die Innenräume. Auch die Becken sind grau gefliest und unterstreichen den ruhigen, zurückhaltenden Charakter der Anlage. Die Lichtgestaltung ist integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts: Eine zurückhaltende Grundbeleuchtung wird durch präzise gesetzte Lichtlinien ergänzt, die architektonische Elemente akzentuieren und die Orientierung unterstützen.

Die neue Außenverkleidung greift mit ihrer Farbgebung ein regionales Motiv auf. Ihre goldene Tönung orientiert sich an gereiftem Riesling und übersetzt die lokale Weintradition in eine zeitgemäße architektonische Sprache. Umlaufende Fassadenbänder fassen den Thermenbereich zusammen und machen zugleich das Zusammenspiel von Bestand und Neubau ablesbar.

Nachhaltigkeit durch Erhalt und Transformation
Die Erweiterung erfolgte unter laufendem Badebetrieb und erforderte ein hohes Maß an Präzision sowie Respekt gegenüber dem Bestand. Alt und Neu sind baulich klar voneinander getrennt, bleiben jedoch funktional und gestalterisch miteinander verbunden. Der Erhalt des Bestands war dabei eine bewusste kulturelle und ökologische Entscheidung: Bestehende Gebäude speichern erhebliche Mengen grauer Energie und sind Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt. Durch ihre Weiterentwicklung werden Ressourcen geschont und neue Nutzungsqualitäten geschaffen.

Eine hochwertige Gebäudehülle mit optimierten Dämmwerten, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sowie bedarfsgerechte Steuerungen reduzieren den Energiebedarf im Betrieb deutlich. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme. Ergänzend erzeugen Photovoltaikflächen an Fassade und Dach einen Teil des Strombedarfs, extensive Gründächer verbessern Regenrückhalt und Mikroklima.

Mit der Erweiterung des Salinariums ist ein Ort entstanden, der Vertrautes bewahrt und zugleich neue, zeitgemäße Angebote schafft. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Weiterbauen architektonische Qualität, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Relevanz miteinander verbinden kann.

Thermalhalle
Fotografia © Uwe Ditz
Thermalhalle - Aufgang zum Saunabereich
Fotografia © Uwe Ditz
Galerie
Fotografia © Uwe Ditz
Babbelsauna
© Uwe Ditz
Soleschwebebecken
Fotografia © Uwe Ditz
Warm-Außenbecken
Fotografia © Uwe Ditz
Restaurant im Thermenbereich
Fotografia © Uwe Ditz
Galerie
Fotografia © Uwe Ditz
Thermalbecken
Fotografia © Uwe Ditz
Galerie
Fotografia © Uwe Ditz
Saunagarten
Fotografia © Uwe Ditz
Restaurant im Saunabereich
Fotografia © Uwe Ditz
Dachterrasse
Fotografia © Uwe Ditz
Außenansicht
Fotografia © Uwe Ditz
Eingangsbereich
Fotografia © Uwe Ditz
Grunddriss Erdgeschoss (Bestand dunkelgrau hinterlegt)
Dibuix © 4a Architekten
Any
2025
Project Status
Construït
Client
Stadtwerke Bad Dürkheim GmbH
Equip
Anke Pfudel-Tillmanns (Projektleitung), Catalina Valderamma, Tim Döringer, Sylvia Gmelin (Ausschreibung), Daniel Hauptmann (Bauleitung), Olaf Feierabend (Bauleitung)
Tragwerksplanung
sbp se schlaich bergermann partner, Stuttgart
Landschaftsarchitekt
L.A.U.B. – Ingenieurgesellschaft mbH, Kaiserslautern
Bauphysik
KURZ und FISCHER GmbH, Winnenden
HLS
Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH, Baden-Baden
Lichtplanung
LICHT KUNST LICHT AG, Bonn
Kunst am Bau
Ricarda Mieth, Berlin
Elektroplanung
planungsbüro für elektrotechnik gmbh alexander müller, Bühl-Neusatz

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